Die wirtschaftliche Situation in Spanien
April 29, 2010 by admin · Leave a Comment
Spanien hat zur Zeit ein erhebliches Defizitproblem, welches sich in einer Neuverschuldung von 11,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) niederschlägt. Noch 2007 galt das Land mit einem Überschuss von 2,2 Prozent als europäischer Musterschüler.
Schwer zugesetzt hat Spanien neben der weltweiten Rezession eine hausgemachte Immobilienkrise, die auch den Bausektor mitriss. Die Arbeitslosenquote kletterte inzwischen auf rund 20 Prozent, das ist der höchste Wert in Westeuropa. 4,6 Millionen Menschen sind ohne Job, rund 30 Milliarden Euro gibt der Staat dieses Jahr für Arbeitslosenunterstützung aus.
Ein wesentlicher Unterschied zu einigen anderen europäischen Ländern ist jedoch die Staatsverschuldung: In Spanien liegt sie bei rund 53 Prozent des BIP, das ist sogar weniger als in Deutschland. Griechenland kommt dagegen auf enorm hohe 115 Prozent. Sorgen bereiten jedoch in Spanien die Schulden von privaten Haushalten und Unternehmen, die nach Berechnungen von S&P 178 Prozent des BIP betragen und mit dem Konsumrausch in Zeiten des Immobilienbooms zusammenhängen. Heute können immer mehr Familien ihre Kredite für Neuwagen oder Hauskauf nicht mehr zurückzahlen.
Vor diesem Hintergrund sei trotz der Herabstufung die Note «AA» eine «hervorragende» Bewertung für Spanien, meint S&P. Zudem sei die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit gleich Null. Trotzdem wird es auch für Spanien teurer, sich frisches Geld zu besorgen. Schätzungen zufolge könnte dies in diesem Jahr mit rund 3,2 Milliarden Euro zu Buche schlagen.
«Unsere Glaubwürdigkeit ist angeschlagen», räumte Vizeregierungschef Manuel Chaves am Donnerstag ein. Und die Opposition rief Madrid dazu auf, bereits beschlossene Maßnahmen zügig umzusetzen. Darunter ist etwa ein 50 Milliarden Euro schweres Sparpaket, das die Neuverschuldung bis 2013 wieder auf das zulässige Niveau von drei Prozent drücken soll.














